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Die Reformation in der benediktinischen Geschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts. Das Abbatiat des Elias Frei in Isny (1538–1548) in Georg Doblers ,Gründlich und ausführlicher Bericht‘ von 1767: Edition, Kommentar und Einleitung

 

 

Mitarbeiter:

Dr. Andreas Bihrer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) und Prof. Dr. Dietmar Schiersner (Pädagogische Hochschule Weingarten) sowie David Bitrovic, Michael Bühler, Daniela Hummel-Ibrahim, Katharina Janson, Hanna Pfeiffer, Florian Ruoß, Christoph Schweizer und Julia Weizmann

 

Beschreibung:

 

Die Reformation wurde nur selten in der benediktinischen Geschichtsschreibung der Frühneuzeit thematisiert, eine Ausnahme stellt die Chronik Georg Doblers dar. Dieser Mönch des Benediktinerklosters Isny und Pfarrvikar der Kirche St. Georg beschrieb im Jahr 1767 den Konflikt des Abts und der Mönche mit der evangelischen Stadt, in deren Mauern das Kloster lag. Nachdem in den ersten Jahren der Reformation massivere Spannungen zwischen dem Rat von Isny und Kloster vermieden wurden, spitzten sich die Auseinandersetzungen in den 1530er Jahren zu, als die Klosterkirche bei einem Bildersturm verwüstete wurde. Den Höhepunkt des Konflikts bildete die Besetzung und Enteignung des Klosters im Schmalkaldischen Krieg, die nach dem Sieg der kaiserlichen Partei wieder rückgängig gemacht werden konnte.

Georg Dobler, der Mitte des 18. Jahrhunderts selbst an einer Provokation der evangelischen Stadt maßgeblich beteiligt war, schrieb seine Chronik während der Blütezeit des Klosters. Nach der wirtschaftlichen Konsolidierung und mit der berechtigten Aussicht auf eine vollständige rechtliche Autonomie vom Vogt hatten die Mönche ein neues Selbstbewusstsein gewonnen, das sie mit ihrer breiten historiographischen Tätigkeit und mit dem Neubau der Klosterkirche auch nach außen demonstrierten.

Das Forschungsprojekt erschließt den bislang unveröffentlichten und weitgehend unbekannten Text Georg Doblers durch eine ausschnitthafte Edition und eine Einführung zu Verfasser und Werk. Dazu werden Aspekte der historiographischen Darstellung in ausgewählten Fragestellungen analysiert und die Position der Chronik zwischen dem Gedankengut der Frühaufklärung, den neuen Formen benediktinischer Wissenschaftlichkeit des 18. Jahrhunderts und den alten Traditionen mittelalterlicher Klosterhistoriographie bestimmt.

Mit dieser Falluntersuchung soll ein Beitrag zum besseren Verständnis der benediktinischen Geschichtsschreibung einzelner Klöster in der Frühneuzeit geleistet werden, die neben der weit besser erforschten Ordenschronistik des 18. Jahrhunderts bislang nur selten das Interesse der Forschung gefunden hat. Da zudem die katholische Wahrnehmung der Reformation in den Blick genommen und damit ein weitgehend vernachlässigtes Feld der Reformationsforschung untersucht wird, werden die Ergebnisse der Fallstudie zum Kloster Isny auch über den oberschwäbischen Raum hinaus Beachtung finden.