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Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls im Wintersemester 2006/07

 

Vorlesungen

 

Birgit Studt

Geschichtsschreibung im Spätmittelalter

 

Termin: Do 11 – 13h; KG I/HS 1199

Kommentar: Die spätmittelalterliche Geschichtsschreibung wird zunehmend nicht mehr als bloßer Steinbruch historischer Daten oder Objekt der Quellenkritik und Quellenkunde betrachtet, sondern sie ist zu einem eigenständigen Gegenstand des mediävistischen Interesses aufgerückt. Als Niederschlag historischen Bewusstseins, als inhärenter Teil der Gesellschaft, ja als eigenständige historische Kraft geraten überlieferte historische Traditionen und historiographische Texte immer mehr in das Blickfeld kulturgeschichtlicher, mentalitäts-, literatur- und sozialgeschichtlicher Forschung. In der Vorlesung soll die Geschichtsüberlieferung auf die sich während des späteren Mittelalters beschleunigt vollziehenden gesellschaftlichen Differenzierungsprozesse hin befragt werden. Vorgestellt werden neue Träger historiographischer Tätigkeit: Bettelorden, Städte, Höfe, Fürstenhäuser oder monastische Reformbewegungen, ebenso wie neue Felder der Geschichtsschreibung: in gelehrtem Universitätsbetrieb wie seelsorgerlicher, juridischer und politischer Praxis. Dabei sollen Darstellungsformen und Funktionen historiographischer Texte, Methodenbewusstsein und Arbeitsweise der Geschichtsschreiber, aber auch die Benutzung ihrer Arbeiten und die Wechselbeziehungen mit anderen Formen und Gattungen historischer Traditionen aufgezeigt werden.

 

 

Hauptseminare

 

Birgit Studt

Sozialgeschichte der Universität im Mittelalter

 

Termin: Mo 14 – 16h; KG IV/Übungsraum 2

Kommentar: In den Jahrhunderten des ausgehenden Mittelalters entstanden in den europäischen Ländern viele Universitäten, die oft die Tradition noch heute bestehender Bildungsstätten begründeten. Konzentrierten sich die Universitäten des 12. und 13. Jahrhunderts noch auf Italien, Frankreich, Spanien und England, so entstanden seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in rascher Folge auch Universitäten im deutschsprachigen und südosteuropäischen Raum. In diese Reihe gehört die Universität Freiburg, deren Gründung im Jahre 1457 sich im kommenden Jahr zum 550. Mal jährt. Auch wenn sich dadurch das Netz der höheren Bildungsstätten in Europa verdichtete, bedeutete die Aufnahme eines Universitätsstudiums oft weiterhin ein Leben in der Fremde und in Armut. Entbehrungen, Sorgen, Unsicherheit prägten die meisten Studentenbiographien. Im Zentrum des Seminars stehen daher v.a. die sozialen Strategien, mit denen diese Existenznöte gemildert bzw. aufgefangen und das Zusammenleben so vieler Fremder in einer Stadt reguliert werden konnten: gemeinsame Reisegruppen und landsmannschaftliche Zusammenschlüsse der Studenten, Studienstiftungen und die Einrichtung von Bursen u.s.w. Da im Universitätsarchiv Freiburg interessante Quellen zu diesen Fragen zur Verfügung stehen, soll ein Teil der Sitzungen in Kooperation mit dem Universitätsarchiv und dem damit verbundenen Uniseum stattfinden.

Literatur: Geschichte der Universität in Europa. Hg. v. Walter Rüegg. Bd. 1: Mittelalter. München 1993; Weber, Wolfgang E. J.: Geschichte der europäischen Universität (Urban Taschenbücher 476). Stuttgart 2002.

Bitte schriftliche Anmeldung an das Sekretariat des Lehrstuhl (Frau Stenzel) oder per e-mail: gertrud.stenzel@geschichte.uni-freiburg.de

 

 

Proseminare

 

Birgit Studt

Klöster und Orden im Mittelalter

 

Termin: Mi 11 – 13h; KG I/HS 1231

Kommentar: Die mittelalterliche Gesellschaft ist ganz wesentlich durch die Frömmigkeit und Spiritualität, die literarischen Interessen, aber auch die karitative und wirtschaftliche Tätigkeit von Mönchen und Nonnen geprägt worden. Im Mittelpunkt des Seminars stehen sowohl die Anfänge der christlichen monastischen Kultur als auch ihre weitere Entwicklung in der Ausbildung verschiedener Orden, Ordenszweige, Klostergruppen oder Reformbewegungen. Je nach Ordensregel hatten die einzelnen Klöster verschiedene Funktionen in der Gesellschaft: Das Spektrum reichte vom Gebet und kontemplativem Leben für das Seelenheil der Menschen über die Versorgung von Armen und Kranken, die Weitergabe von Bildung und Wissenschaft an den eigenen Nachwuchs, aber auch an externe Schüler/innen bis hin zur praktischen Seelsorge. Nach den Aufgaben und Zielen, die sich ein Orden gesetzt hatte, richtete sich auch das Wirkungsspektrum der Ordensleute: zurückgezogen in der Einöde (Wüste, Gebirge, einsame Inseln), unterwegs in der Fremde, auf dem Land, in der Geschäftigkeit der Städte, an Universitätsorten etc. Im Seminar sollen die Anfänge des westlichen Mönchtums ebenso wie die hochmittelalterlichen monastischen Reformbewegungen und die Entwicklung neuer Orden und Ordenszweige im Spätmittelalter in den Blick genommen werden. Dazu werden zentrale Regeltexte und Gründungsdokumente, Biographien von Ordensstiftern oder Klosterchroniken, aber auch Pläne und Wirtschaftsdokumente gelesen und interpretiert.

Literatur: Gleba, Gudrun: Klöster und Orden im Mittelalter (Geschichte kompakt), Darmstadt 2002.

 

Andreas Bihrer

Höfe und Residenzen im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit

 

Termin: Di 14 – 16h; UB/ÜR 1

Kommentar: Die Höfe der Könige, der weltlichen und der geistlichen Fürsten bildeten in der Vormoderne wichtige politische, soziale und kulturelle Zentren. In diesem epochenübergreifenden Seminar werden wir Entwicklungen und Strukturen höfischen Lebens vom Interregnum bis zum Dreißigjährigen Krieg verfolgen und analysieren. Anhand der wissenschaftlichen Beschäftigung mit höfischem Fest und Alltag, Verwaltung und Repräsentation, Gartenbau und Feuerwerk, Turnier und Tanz, Astrologen und Hoffnarren, Besteck und Jagdtrophäen soll in Themen und Fragestellungen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte eingeführt werden.

Literatur: Paravicini, Werner/Hirschbiegel, Jan/Wettlaufer, Jörg (Hg.), Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch, Bd. 2,1: Begriffe (Residenzenforschung, Bd. 15,2,1), Ostfildern 2005.

 

Oliver Münsch

Aufstieg aus dem Untergang? Die Entstehung des mittelalterlichen deutschen Reiches

 

Termin: Di 16 – 18h; KG I/HS 1032

Kommentar: Das Seminar nimmt die Phase der Auflösung des karolingischen Großreiches und der Entstehung neuer, zunehmend eigenständiger Teilreiche seit der Mitte des 9. Jahrhunderts in den Blick. Dabei sollen zunächst die Etappen des tiefgreifenden politisch-territorialen Wandels nachgezeichnet und die Beziehungen zwischen den Teilreichen und ihren Herrschern analysiert werden. Zugleich wirft dieser Prozess grundlegende Fragen auf: Welche Bedeutung besaßen die Teilungen für die “langsame Entstehung” (so Gerd Tellenbach) des ostfränkisch-deutschen Reiches? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit man überhaupt von einem “deutschen” Reich sprechen kann? Welchen Einfluss übt die (Volks-)Sprache auf den Prozess der Nationsbildung aus? Solide Lateinkenntnisse und die Bereitschaft zur Bewältigung eines umfangreichen Lektüreprogramms sind Bedingungen für die Teilnahme am Seminar.

Literatur: Beiträge zur mittelalterlichen Reichs- und Nationsbildung in Deutschland und Frankreich, hg. von Carlrichard Brühl und Bernd Schneidmüller, München 1997; Carlrichard Brühl, Deutschland - Frankreich: die Geburt zweier Völker, 2. Aufl., Köln - Wien 1995; Joachim Ehlers, Die Entstehung des deutschen Reiches, München 1994; Eckhard Müller-Mertens, Regnum Teutonicum, Berlin 1970.

 

 

Übungen

 

Andreas Bihrer

Editorische Übung 

 

Termin: Di 16 – 18h; KG I/HS 1136

Kommentar: Die Übung führt in das Edieren deutschsprachiger Texte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit ein. Bei der Beschäftigung mit einer bislang weitgehend unbekannten und noch nicht gedruckten Chronik des frühen 16. Jahrhunderts werden die wichtigsten Hilfsmittel vorgestellt und die editorische Praxis eingeübt, das Auffinden von Textzeugen, das Lesen der Handschriften, die Herstellung des Textes und der Apparate, das Verfassen einer Handschriftenbeschreibung, eines Kommentars und einer Einleitung. Da im Mittelpunkt der Übung das gemeinsame “Produkt”, die Edition der Chronik, steht, wird eine intensive eigenständige Vor- und Nachbereitung, die aktive Teilnahme an Gruppenarbeiten und das Abfassen eigener Beiträge erwartet.

 

 

Kolloquien

 

Birgit Studt

Neue Forschungen zur spätmittelalterlichen Geschichte

 

Termin: Mi 18 – 20h; KG I/HS 1227

Kommentar: In der Veranstaltung werden laufende und kürzlich abgeschlossene Forschungsvorhaben vorgestellt sowie neuere methodische Ansätze, aktuelle Kontroveren oder zentrale Neuerscheinungen zur spätmittelalterlichen Geschichte und zur Mediävistik diskutiert. Es richtet sich an fortgeschrittene Studierende, Examenskandidaten/innen und Doktoranden/innen und soll die Kommunikation mit und unter den Studierenden verbessern (nur auf persönliche Einladung).

 

Birgit Studt

Examenskolloquium

 

Termin: Mo 13 – 14h; KG IV/Übungsraum 2

Kommentar: Das Kolloquium wendet sich an Examenskandidaten/innen und fortgeschrittene Studierende. Es dient der Vorbereitung auf das Examen (Staatexamen, Magister, Anfertigung der Abschlussarbeit). Außerdem sollen laufende Abschlussarbeiten vorgestellt und ggf. gemeinsam Vorträge auswärtiger Historiker/innen und Mediävisten/innen besucht und diskutiert werden. Ein Teil des Kolloquiums wird als Blockveranstaltung stattfinden.

 

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