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Artikelaktionen

Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls im Wintersemester 2011/12

 

Vorlesungen

 

Sitta von Reden, Birgit Studt, Dietmar Neutatz

Einführung in die Geschichtswissenschaft

 

Mo. 16:00-18:00 Uhr, AudiMax

  

Die Einführungsvorlesung ist die einführende Pflichtveranstaltung für alle Studienanfänger der BA-Studiengänge des Faches Geschichte sowie im Staatsexamen-Studiengang Geschichte. Hier werden sie mit dem Selbstverständnis, den Gegenständen und Herangehensweisen der Geschichtswissenschaft bekannt gemacht und erhalten erste Eindrücke von den spezifischen Besonderheiten der historischen Großepochen (Antike, Mittelalter, Neuzeit). Dies erfolgt exemplarisch anhand des über die Epochen hinweg verfolgten Leitthemas „Organisation, Begründung und Wahrnehmung von Herrschaft“.

Die Einführungsveranstaltung begleiten Tutorate, in denen der Vorlesungsstoff durch gemeinsame Übungen und Lektüre von Texten vertieft wird. Die Tutorate werden an folgenden Terminen angeboten: Mi 12-14, Mi 14-16, Mi 16-18, Fr 8-10, Fr 10-12. Der Besuch des Tutorats zu einem dieser Termine ist obligatorisch. Die Einteilung der Tutoratsgruppen erfolgt nach der ersten Vorlesungseinheit.

Abgeschlossen wird die Vorlesung mit einer schriftlichen Klausur.

 

 

Steffen Krieb

Überblicksvorlesung Mittelalter

 

M0. 18:00-20:00, KG III HS 3044

 

Die Vorlesung unternimmt den Versuch, Grundlagenwissen über die Geschichte des Mittelalters zu vermitteln, ohne dabei den Anspruch enzyklopädischer Vollständigkeit zu erheben. Vielmehr sollen die Konturen der Epoche durch die Betrachtung strukturprägender Phänomene (Königsherrschaft, kirchliche Hierarchie, Lehnswesen, Grundherrschaft, kommunale Bewegungen) und fundamentaler Prozesse (Christianisierung, Ethnogenese, Staatenbildung) umrissen werden. Das gebotene Überblickswissen soll dabei durch die Diskussion zentraler Quellen an seine Grundlagen rückgebunden und durch die Erörterung von Forschungskontroversen in den Kontext aktueller Debatten  in der historischen Mediävistik eingeordnet werden. Von den Teilnehmern wird die Bereitschaft zur Vertiefung der behandelten Themen durch die begleitende Lektüre empfohlener Literatur erwartet.

Literatur: Harald Müller, Mittelalter (Akademie-Studienbücher Geschichte), Berlin 2008. Matthias Meinhardt / Andreas Ranft / Stephan Selzer (Hg.),  Mittelalter (Oldenbourg Lehrbuch Geschichte), München 2007. Jörg Schwarz, Das europäische Mittelalter (Grundkurs Geschichte), Stuttgart 2006.

 

 

Hauptseminare

 

Birgit Studt, Sitta von Reden

Interkulturalität und materielle Kultur auf Sizilien

 

Mi. 10:00-12:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 101

 

Sizilien hat eine komplexe Siedlungs- und Fremdherrschaftsgeschichte, die die Insel bis heute zu einer multikulturellen Gesellschaft macht. Im Zuge der Migrationsbewegungen der früharchaischen Zeit (8. Jh. v. Chr.) wurde es sowohl von Phöniziern und Karthagern als auch von Griechen kolonisiert und kulturell dominiert. In Folge des Ersten Punischen Krieges im 3. Jh. v. Chr. wurde es römische Provinz, die wegen ihres Ressourcenreichtums eines der wesentlichen Versorgungszentren Roms wurde. 535 wurde es von einem oströmischen Feldherrn Kaiser Justinians erobert. Nachdem es für nahezu 300 Jahre der byzantinischen Herrschaft unterworfen war, gelang es den Arabern im Gefolge ihrer Eroberungen seit Beginn des 9. Jhs in einem Klima religiöser Toleranz Sizilien wieder zu einer prosperierenden Landschaft zu machen. Die Normannen, die am Ende des 10. Jhs die Insel eroberten und hier  in Allianz mit dem Papsttum eine Monarchie errichteten, orientierten sich in ihrer Hofkultur und Verwaltung an diesen griechisch-arabischen Vorbildern. Erst unter der Herrschaft des staufischen Erben des Normannenreichs, Friedrichs II., brach im 13. Jh. die florierende, von Interkulturalität geprägte Infrastruktur zwischen Muslimen, Juden und Christen ein. In diesem Hauptseminar soll die Siedlungsgeschichte und materielle Kultur Siziliens unter dem Aspekt lokaler Identitäten und ihrer Repräsentation, der kulturellen Abgrenzungen und des Kulturtransfers in Antike und Mittelalter erarbeitet werden, um an diesem Beispiel Konstanten, aber auch Bruchlinien in der Identität hybrider Gesellschaften bis heute erkennen zu können.

 

Mit dem Seminar ist eine fakultative Exkursion verbunden, die unter der Leitung von Prof. Dr. Studt und Prof. Dr. von Reden vom 26. 3. bis 3. 4. 2012 in Sizilien stattfinden wird. Näheres zur Exkursion finden Sie auf den Seiten des Seminars für Alte Geschichte und des Historischen Seminars.  

 

Literatur: Dreher, M. Das Antike Sizilien. München 2008 (Beck Wissen)

Smith, C.J. Sicily from Aeneas to Augustus. Edinburgh 2000

Holloway, R. R. The Archaeology of Ancient Sicily. London 2000.

Finley, M. I., Smith D., Duggan, Ch.: Geschichte Siziliens und der Sizilianer. 4. Aufl. München 2010 (beck'sche Reihe)

Gotter, U. Akkulturation als Methodenproblem der historischen Wissenschaften. In Essbach, W. (Hrsg.) Wir-Ihr-Sie. Identität und Alterität in Theorie und Methode. Würzburg 2000, 373-406.

 

 

Steffen Krieb

Hof und Residenz - Ausdrucksformen fürstlicher Herrschaftsrepräsentation im Spätmittelalter

 

Mi. 14:00-16:00 Uhr, Wilhelmstr. 26 HS 00 016

 

Die Erforschung fürstlicher und königlicher Höfe gehört zu den zentralen Themen der Mittelalter- und Frühneuzeitforschung der letzten drei Jahrzehnte. Ausgehend vom Kernphänomen des Hofes als jener Gruppe von Personen, die sich ständig oder periodisch wiederkehrend in der Umgebung des Fürsten aufhielt, sind in einer Flut von Publikationen politische, soziale, ökonomische, kulturelle und symbolische Dimensionen dieses wichtigen Phänomens vormoderner Herrschaft ausgeleuchtet worden. In einem auf sechs Bände angelegten Handbuch sind schließlich die vielfältigen Aspekte gebündelt worden, ohne dass ein Erlahmen der Forschungsbemühungen zu erkennen wäre. Auf der Grundlage dieses Überblicks sollen die bisher erprobten Ansätze zur Erforschung von Höfen kritisch analysiert und  reflektiert werden, um anschließend neue Wege der Hof- und Residenzenforschung zu diskutieren.

Literatur: Werner Paravicini (Hg.), Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. (Residenzenforschung, 15), Teil 1: Ein dynastisch-topographisches Handbuch, 2 Bde., Stuttgart 2003; Teil 2: Bilder und Begriffe, 2 Bde., Ostfildern 2005; Teil 3: Hof und Schrift, Ostfildern 2007, Teil 4: Grafen und Herren (in Vorbereitung); Andreas Ranft, Adel, Hof und Residenz im späten Mittelalter, in: Archiv für Kulturgeschichte 89 (2007), S. 61-90; Andreas Bihrer, Curia non sufficit. Vergangene, aktuelle und zukünftige Wege der Erforschung von Höfen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, in: Zeitschrift für historische Forschung 35 (2008), S. 237-272; Karl-Heinz Spieß, Fürsten und Höfe im Mittelalter, Darmstadt 2008.

 

Homepage der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen:http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/index.php

 

 

Proseminare

 

Das Proseminarheft zum Download

 

Pia Eckhart, Michiel Decaluwé

Der Prozess der politischen Entscheidungsfindung im Spätmittelalter

 

Do. 16:00-18:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 201

 

Entscheidungsfindung ist eine zentrale Aufgabe des politischen Geschäfts: Das gilt für die heutige Politik, das war aber auch schon auf allen politischen Ebenen des Spätmittelalters so. Die Entscheidungsfindung ist ein institutioneller Prozess, der in unterschiedlichen institutionellen und nicht-institutionellen Schritten erfolgt. Sie ist auch ein gedanklicher Prozess, weil sie einen gedanklichen Wandel der Entscheidungsträger erfordert und sie ist ein politischer Prozess, für den die Fragen nach Macht, Autorität, Charisma, Information, Möglichkeit der Inszenierung etc. zentral sind. Drittens finden auch „Techniken“ Anwendung, die die Entscheidung beeinflussen können: Es gibt unterschiedliche Abstimmungsverfahren, es müssen Kompromisse geschlossen werden, eine Entscheidung wird (meistens) in einen Text aber oft auch in eine Inszenierung gefasst. Im Proseminar werden wir anhand einiger wichtiger politischer Entscheidungen des Spätmittelalters aus dem Reichsgebiet und von außerhalb versuchen, die Komplexität der Prozesse zu analysieren, die zu diesen Entscheidungen führten. Zunächst werden wir die unterschiedlichen Phasen des Entscheidungsfindungsprozesses und ihre jeweils spezifischen Quellen ausführlich in den Blick nehmen. Zweitens werden wir den Entscheidungsfindungsprozess aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Die zentrale Frage des ganzen Seminars wird sein: Stellen wir fest, dass die Entscheidungsfindung als zeitloses Phänomen erscheint, oder gibt es bei den untersuchten Entscheidungsfindungsprozessen Elemente, die wir als typisch spätmittelalterlich deuten können?

Literatur: Jörg Peltzer, Gerald Schwedler und Paul Töbelmann (Hg.), Politische Versammlungen und ihre Rituale. Repräsentationsformen und Entscheidungsprozesse des Reichs und der Kirche im späten Mittelalter, Ostfildern, 2009.

 

 

Steffen Krieb

Menschen im Schatten der Überlieferung - Agrarwirtschaft, Grundherrschaft und bäuerliche Lebenswelten im Mittelalter

 

Di. 12:00-14:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 207

 

Im Mittelalter lebte der weitaus größte Teil der Menschen auf dem Land, bearbeitete den Boden  und sorgte somit für die materielle Grundlage, auf der sich die Kultur der Klöster, Höfe und Städte entwickeln konnte. In einem eklatanten Gegensatz zu dieser Grundtatsache steht allerdings die Überlieferungslage, die weitaus mehr Licht auf die monastische, höfische und städtische Kultur wirft, als auf die Lebenswelten der großen Mehrheit der Menschen. Zudem blicken die relativ wenigen Quellen zum größten Teil aus der Sicht der Herrschenden auf das Land und seine Bewohner. Ziel des Seminars ist es daher, zunächst die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen, denen die Landbevölkerung unterworfen war, zu erarbeiten. Darüber hinaus soll versucht werden, auch die Perspektive der vermeintlich „stummen Zeugen“ des Mittelalters aus den Quellen zu rekonstruieren.

Literatur: Ludolf Kuchenbuch, Grundherrschaft im früheren Mittelalter, Idstein 1991; Werner Rösener, Agrarwirtschaft, Agrarverfassung und ländliche Gesellschaft im Mittelalter (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 13), München 1992; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 32006.

 

 

Steffen Krieb

Friede durch Recht - Recht durch Gewalt? Fehdepraxis und Fehdeverbot im späten Mittelalter

 

Di. 16:00-18:00 Uhr, Universitätsstraße 5 Raum 2

 

Die Bedeutung des Rechts bei der Friedenswahrung ist im modernen Rechtsstaat mit seinem Gewaltmonopol selbstverständlich und auch im Mittelalter stand die Herrschaft des Rechts zumindest in der politischen Theorie in hohem Ansehen. Im römisch-deutschen Reich stand dem in der Praxis allerdings der Anspruch auf die gewaltsame Durchsetzung von – mehr oder minder gut begründeten – Rechtsansprüchen entgegen, der insbesondere, aber nicht ausschließlich von Adeligen erhoben wurde. Im Seminar sollen daher sowohl die Praxis der Fehde unter dem Aspekt der bewaffneten Selbsthilfe als auch deren Bekämpfung und Delegitimierung durch rechtliche Verfahren in den Blick genommen werden. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf den Jahrhunderten des Hoch- und Spätmittelalters. Thematisch wird der Bogen von den Gottes- und Landfrieden des Hochmittelalters bis zur Bekämpfung der Fehde durch Städtebündnisse und die Errichtung des „Ewigen Landfriedens“ auf dem Wormser Reichstag von 1495 gespannt.

Literatur: Arno Buschmann / Elmar Wadle (Hg.), Landfrieden. Anspruch und Wirklichkeit, Paderborn u.a. 2002; Christine Reinle, Art. Fehde, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, 2. Aufl. (2007) Sp. 1514-1525 (mit Bibliographie); Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 32006.

 

 

Nicola Brauch

Motive in der englischen Romanliteratur des Spätmittelalters und ihr mentalitätsgeschichtlicher Erkenntniswert

 

Di. 08:00-10:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 201

 

Im Spätmittelalter erlebt der populäre historische Roman eine erste, bis in die Frühe Neuzeit andauernde Konjunktur. Worin besteht eine für heutige geschichtswissenschaftliche Forschung relevante Erkenntnis, die aus dieser Quellengattung „Roman“ gewonnen werden kann? Eine Möglichkeit besteht in Anwendung der an der Schnittstelle von Literatur- und Geschichtswissenschaft situierten historischen Narratologie. In deren Zentrum steht die Kontextualisierung von Texten durch kulturelle Analyse ihrer Entstehungsbedingungen. Zentral ist dabei die Frage nach Hauptfiguren und Motiven sowie deren Wandel im Verlauf von Rezeptionsgeschichte. Im Seminar wird diese Methode am Beispiel von Thomas Malory´s Artusroman (London, ed. Caxton 1492) überprüft und vor dem Hintergrund der politischen Geschichte Englands im 15. Jahrundert kontextualisiert, um auf dieser Grundlage die Frage nach dem Wandel von Mentalität und deren Widerhall im populären Roman zu diskutieren. Bereitschaft zu Lektüre und Bearbeitung englischsprachiger Texte wird erwartet.

Literatur: Helen Cooper, The English romance in time: transforming motifs from the time of Geoffrey of Monmouth to the death of Shakespeare. Oxford 2004;  Fotis Jannidis, Figur und Person. Beitrag zu einer historischen Narratologie. Berlin, 2004; Karl-Friedrich Krieger, Geschichte Englands von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, 4. Auflage München 2009; Harald Müller, Studienbuch Mittelalter, Berlin 2008.

 

 

Michael Matzke

Die Ritterorden im Heiligen Land

 

Do. 14:00-16:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 105

 

Die Ritterorden sind aus den Kreuzzügen erwachsen. Ebenso wie diese sind sie eigentlich eine Anomalie in und für die Kirche. Gleichwohl waren sie zentral für den Bestand der lateinischen Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land und sie wurden im Laufe der Zeit immer wichtiger, so dass sie manchem Fürsten auch zu mächtig wurden. Mit dem Fall Akkons im Jahr 1291 war der Untergang der Kreuzfahrerstaaten im Osten besiegelt und die Ritterorden gerieten in eine tiefe Krise. Die verschiedenen Strategien der Orden für einen Neuanfang können ebenso wie die Beschäftigung mit der Entstehung und Transformation der Orden viel über deren Selbstverständnis und darüber hinaus über die Ziele und Probleme der Kreuzzugsbewegung verraten. Auch im Vergleich der großen Orden können interessante Aufschlüsse gewonnen werden. Daneben vermittelt die Auseinandersetzung mit den Ritterorden weitergehende Einblicke in die Kirchen- und Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters, da deren Organisation sich über die gesamte abendländische Christenheit erstreckte und die Kreuzfahrerstaaten ebenso ideell wie wirtschaftlich mit dem Westen verband.

Literatur: Hiestand, Rudolf: Papsturkunden für Templer und Johanniter, Neue Folge (Vorarbeiten zum Oriens Pontificius, 2), Göttingen 1984; Nicholson, Helen: Templars, Hospitallers and Teutonic Knights: images of the military orders, 1128-1291, Leicester [u.a.] 1993; Demurger, Alain: Die Ritter des Herrn. Geschichte der geistlichen Ritterorden. München 2003.

 

 

Übungen

 

Michiel Decaluwé

Verliebt, verlobt, verheiratet und geschieden an kirchlichen Gerichtshöfen im Spätmittelalter

 

Fr. 10:00-12:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 207

 

Die Ehe ist ein kirchlich Ding – nur weil das im (Spät)Mittelalter so war, war Luthers Behauptung, die Ehe sei ein „weltlich Ding“ so erstaunlich, ja eigentlich revolutionär. Die Ehe war im Spätmittelalter eins der Hauptgeschäfte der kirchlichen Gerichtshöfe – und für die Gerichtshöfe der katholischen Kirche ist die Ehe immer noch eine zentrale Angelegenheit. Das kanonische Eherecht und die kirchlichen Gerichtshöfe griffen in das Leben vieler Menschen aus allen Schichten der europäischen Bevölkerung ein. Somit bieten die Quellen, die von den Gerichtshöfen erhalten sind, seltene Einblicke ins mittelalterliche Alltagsleben. Sie konfrontieren einen mit Familienstreitigkeiten, Ehe- oder Beziehungskonflikten, Konflikten zwischen Generationen, bösen (Schwieger)vätern, Fragen der Gerechtigkeit, untreuen Männern (und Frauen),… sie geben sogar einen Einblick in gescheiterte aber manchmal auch romantische Liebesgeschichten – und das obwohl die Quellen auf den ersten Blick doch eher trocken scheinen. Die Quellen sind auf Latein, Lateinkenntnisse sind für die Übung erforderlich, doch können auch interessierte Studenten mit nur geringen Lateinkenntnissen teilnehmen. Wir werden uns hauptsächlich mit Quellen und Literatur über England und die südlichen Niederlande (Brüssel, Cambrai, Tournai) befassen. Ziel ist es, das kanonische Eherecht kennen zu lernen, zu sehen wie es in das Alltagsleben eingriff und zu entdecken wie Individuen, Paare und die Gesellschaft naiv oder strategisch mit dem Eherecht umgegangen sind.

Literatur: Charles Donahue, Law, Marriage, and Society in the Later Middle Ages. Arguments about Marriage in Five Courts, Cambridge – New York, 2007. 

 

 

Steffen Krieb

Vorbereitungskurs für die zentrale Lateinklausur

 

Do. 08:00-10:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 107

 

Die Übung bietet die Möglichkeit der gezielten Vorbereitung auf die zentrale Lateinklausur des Mittelalterbereichs (betrifft nur „alte Studiengänge“ einschließlich Lehramtsstudiengänge); zudem ist der Kurs allgemein zur Auffrischung der Kenntnisse des Lateinischen geeignet. Zu diesem Zweck sollen einschlägige lateinische Texte des Mittelalters gemeinsam übersetzt werden. Aus dem Fundus der behandelten Titel wird gegen Ende des Semesters die Klausuraufgabe gestellt. Daneben kann bei regelmäßiger Teilnahme und entsprechender Mitarbeit auch ein Übungsschein erworben werden.

 

 

Benjamin Kram

Politische Prophetien im Mittelalter - Funktionen und Kontexte

 

Do. 14:00-16:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 106

 

1350 berichtet Cola di Rienzo, er habe in den Bibliotheken der Kardinäle in Avignon zahlreiche wertvolle Bücher mit prophetischen Texten gesehen. Cola di Rienzo selbst war ein säkularer politischer Akteur, der seine Interessen ebenfalls in einer prophetisch gefärbten Sprache zu formulieren wusste. Prophetien, die mit dem Verweis auf das nahende Ende der Welt und das Jüngste Gericht politische Forderungen formulierten, gehörten im Mittelalter keineswegs zu einer nur marginalen Literaturgattung, sondern sie standen im Mittelpunkt zahlreicher politischer Prozesse. Solche Traktate wurden während den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs II. mit der Kurie, während des „babylonischen Exils“ der Päpste in Avignon und während des Großen Abendländischen Schismas verfasst; aber auch in der kommunalen Politik oberitalienischer Städte spielten sie eine nicht unerhebliche Rolle. Sie markieren den heilsgeschichtlichen Erwartungshorizont der politischen Akteure im Mittelalter und waren deshalb nicht nur auf das klerikale Milieu beschränkt. Die Übung setzt sich zum Ziel, Formen und Funktionen der politischen Prophetie im Mittelalter zu untersuchen. Neben der Analyse der biblischen und frühchristlichen Textvorlagen für die lateinischen Prophetien des Hoch- und Spätmittelalters werden in der Übung vor allem die sog. Papstvatizinien analysiert. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Prophetien über Päpste des 14. Jahrhunderts, die von geheimnisvollen, bis heute nicht vollständig entschlüsselten Illustrationen begleitet werden. Neben dem theologisch-politischen Kontext sollen auch die Metamorphosen dieser Texte im Verlaufe des Mittelalters erarbeitet werden. Erforderliche Fremdsprachenkenntnisse: Englisch; Grundkenntnisse Latein.

Literatur: Marjorie Reeves, The Influence of Prophecy in the Later Middle Ages. A Study in Joachimism, Notre Dame 1993; Renate Blumenfeld-Kosinski, Poets, Saints and Visionaries of the Great Schism, 1378-1417, Pensylvania 2006.

 

 

Marco Tomaszewski

Die „Alten Eidgenossen“ und die nationale Identität der Schweiz

  

Die Schweiz leitet ihre nationale Identität nach wie vor aus dem späten Mittelalter ab und angesichts der frühen Eidgenossenschaft scheint hier tatsächlich eine Kontinuität zu bestehen. Allerdings hat die Nationalismusforschung gezeigt, dass Nationen Erfindungen der Moderne, die mit ihnen verbundenen Traditionen erfunden (Hobsbawm) und Kontinuitäten mit der Vormoderne konstruiert sind. Es stellt sich also die Frage, inwieweit hier überhaupt eine Kontinuität besteht und wie eine vormoderne (proto-)nationale Identität wie die der Eidgenossen zu beurteilen und einzuordnen ist.

In der Übung sollen anhand von bestimmten historischen Figuren (Wilhelm Tell, Winkelried,...) oder Ereignissen (z.B. Schlachten) nationale Mythen hinterfragt und Ereignisse des späten Mittelalters mit modernen Vorstellungen über die Nation in Verbindung gebracht und verglichen werden.

Grundlage der Sitzungen bilden zum einen theoretische Texte zu Nationalismus, Identität und Erinnerungskultur, zum anderen einzelne Quellen vom späten Mittelalter bis in die Moderne.

Literatur: Kunze, Rolf-Ulrich: Nation und Nationalismus, Darmstadt 2005. Maissen, Thomas: "Die ewige Eidgenossenschaft. (Wie) Ist im 21. Jahrhundert Nationalgeschichte noch schreibbar?", in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 59 (2009), S. 7-20. Marchal, Guy P.: Schweizer Gebrauchsgeschichte. Geschichtsbilder, Mythenbildung und nationale Identität, Basel 2006. Zimmer, Oliver: A Contested Nation. History, Memory and Nationalism in Switzerland, 1761-1891, Cambridge 2003.

 

 

Kolloquien

 

Birgit Studt, Michiel Decaluwé, Pia Eckhart

Mentorat zur Geschichte des Mittelalters - Lektüre von Schlüsseltexten der Mediävistik

 

Mo. 14:00-16:00 Uhr, Breisacher Tor Raum 105

 

Unser Bild von der Geschichte des Mittelalters verändert sich beständig. Aus diesem Grund ist es lohnend und notwendig, sich mit den neuesten Ansätzen der Mediävistik zu befassen und diese mit etablierten Schlüsseltexten zu vergleichen. Nur so können aktuelle Strömungen innerhalb des Faches bewertet und diskutiert werden. Das Mentorat dient dazu, durch die angeleitete Lektüre und Diskussion von einflußreichen Schlüsseltexten einen Zugang zu klassischen geschichtswissenschaftlichen Fragestellungen und Forschungsrichtungen zu erhalten und diese für die Mediävistik zu perspektivieren. Durch die gemeinsame Beschäftigung mit den Texten erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem methodische Anregungen für die eigene (Abschluss)arbeit. Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Studierende des Masterstudiengangs, sondern auch aller weiteren historischen Studiengänge.

 

 

Birgit Studt

Examenskolloquium

 

Blockseminar (Termin wird noch bekannt gegeben)

 

Das Kolloquium wendet sich an Examenskandidaten/innen und fortgeschrittene Studierende. Es dient der Vorbereitung auf das Examen (Klausur, mündliches Staatsexamen, Magisterprüfung).

 

 

Birgit Studt

Oberseminar

 

Blockseminar (Termin wird noch bekannt gegeben)

 

In der Veranstaltung werden laufende und kürzlich abgeschlossene Forschungsvorhaben vorgestellt sowie neuere methodische Ansätze, aktuelle Kontroversen oder zentrale Neuerscheinungen zur historischen Mediävistik diskutiert. Es richtet sich an fortgeschrittene Studierende, Examenskandidaten/innen und Doktoranden/innen. Das Seminar findet als Kompaktveranstaltung statt. 

Nur auf persönliche Einladung (das Kolloquium findet im Liefmannhaus statt).

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