Aktuelle Lehre SoSe 2026
Hauptseminar
Zwischen Stadtflucht und Standesbewusstsein. Landleben und Gartenwelten der Eliten im Spätmittelalter
| Dozierende | Prof. Dr. Birgit Studt |
| Uhrzeit | Mo 15 – 18 Uhr (c.t.); 20.04.26 – 20.07.26 |
| Ort/Raum | Kollegiengebäude IV/Übungsraum 2 |
| Veranstaltungsnummer | 06LE11S-202656 |
| Kommentar |
Das Spätmittelalter gilt in der Regel als Phase der Urbanisierung – doch zugleich richtete sich das Interesse der städtischen Eliten zunehmend auf das städtische Umland. Hier erwarben sie bisweilen umfangreichen Landbesitz als Kapitalanlage. Doch wenn das Land nicht im Rahmen einer Grundherrschaft oder von Pachtverträgen bewirtschaftet wurde, wurde es für Nutz- und Ziergärten genutzt, die als private Rückzugsorte wie als Mittel der Repräsentation dienten. Das Seminar untersucht, wie reiche Kaufleute wie Fürsten, adlige Herren und kirchliche Würdenträger ihre soziale Identität und Macht durch die Gestaltung von Gartenanlagen und Landgütern inszenierten. Im Seminar analysieren wir sowohl die historischen Hintergründe für diese neue Perspektive auf das Land als auch Konzeptualisierungen von „Garten“ und „Landschaft“ als Standes und Machtsymbole. Als Quellen dienen uns agronomische Fachliteratur, die in volkssprachlichen Übersetzungen kursierte, Urbare, Reiseberichte sowie Bildmaterial in Form von Handschriftenillustrationen, Holzschnitten, Karten und Gartenplänen. |
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| Literatur |
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Proseminar
Writing Diaspora. Imperiale Herrschaftspraxis in der Levante des 12. Jahrhunderts
| Dozierende | Maria-Elena Kammerlander |
| Uhrzeit | Mo 13.00 - 16:00 Uhr; 20.04.26 – 20.07.26 |
| Ort/Raum | Kollegiengebäude IV/HS 4429 |
| Veranstaltungsnummer | 06LE11S-202613 |
| Kommentar |
Um 1120 wunderte sich der aus dem französischen Chartres stammende Fulcher darüber, wie er und seine Landsleute es als westeuropäische Siedler geschafft hatten, sich am Rande ihrer Welt niederzulassen, ohne sich und ihr christliches Selbstverständnis zu verlieren. Was für Fulcher einem Wunder glich, war für den arabischsprachigen Ibn al-Athîr Jahrzehnte später eine entsetzliche Zerstörung seiner vertrauten Lebenswelt. Die militärischen Expansionen der Westeuropäer im 12. Jahrhundert bedeuteten für die Menschen in der Levante höchst Unterschiedliches. Doch so verschieden die politischen Erfahrungen der beiden Literaten auch gewesen sein mögen, so ähnlich vergegenwärtigten sie sich ihrer selbst, indem sie in ihren Werken durch Herkunftsbezüge und stets betonte Loyalität zu ihren Vorfahren ihren Mitmenschen Orientierung in einer sich rasant verändernden Welt boten. Beide Literaten gehörten zum erhabenen Kreis des Latin East, der seine kulturellen Umbruchs- und Grenzerfahrungen der Diaspora sprachgewaltig verarbeitete und uns damit eine paradoxe Situation historisch zugänglich macht. Wie lebten Eroberer unter denjenigen, die sie zu beherrschen versuchten? Wie erklärten sich die Literaten die paradoxe Situation, in der sich die Lateiner in den Küstenstädten Beirut, Tyros oder Tripolis oder in Jerusalem wiederfanden? Eroberung von Jerusalem von 1099 in der Histoire d'Outremer (1232 –1261), British Library Yates Thompson MS 12, fol. 40v Zwar traten sie als Eroberer auf, doch im Alltag erlebten sie die Doppelperspektive christlicher Migranten, die für ihren Handel und ihren Alltag auf die Kooperation muslimischer und jüdischer Einheimischer angewiesen waren. In diesem Kontext wandten sich einstige Handwerker, Kaufleute und Krieger der Philosophie zu, um als Siedler überleben zu können. In ihrer sich wandelnden Selbstwahrnehmung als Lateiner buchstabierten sie diejenigen Bedingungen aus, an denen sich ihre imperiale Herrschaftspraxis auszurichten hatte, wenn sie ihre Machtansprüche in einer herausfordernden Umgebung umsichtig durchsetzen wollten. Im Proseminar setzen wir uns mit Menschen auseinander, die diese kulturellen Differenzen literarisch verarbeiteten und so die mittelalterliche Levante als hybriden Kulturraum prägten. Dabei lernen wir eine Periode der Kolonialisierung kennen, die heute gleichermaßen sagenumwoben wie nüchtern dargestellt wird. In dieser Zeit konnten sich Kapetinger, Plantagenets und Staufer für ihre imperiale Herrschaftspraxis nicht mehr an der gewohnten politischen Kultur des mittelalterlichen Frankreich, Englands oder Deutschlands orientieren, sondern mussten neue Wege beschreiten. Aktuelle Studien aus der Mediävistik sensibilisieren uns dafür, die nach wie vor wirkmächtigen Deutungen eines Ost-West-Konflikts oder gar eines Kulturkampfs zwischen Christentum und Islam zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Schließlich waren die Sprachen der Eroberer und Eroberten nicht nur ihr linguistisches sondern auch religiöses Medium, mit dem sie ihre kulturellen Unterschiede überbrückten und eine neue politische Ordnung schufen. Hinweis: |
| Zu erbringende Prüfungsleistung |
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| Zu erbringende Studienleistung |
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| Literatur |
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Übungen
„Herbst des Mittelalters?“ Materielle Kultur im globalen Horizont der Renaissance
| Dozierende | Prof. Dr. Birgit Studt |
| Uhrzeit | Mi 14 – 16 Uhr (c.t.); 22.04.26 – 22.07.26 |
| Ort/Raum | Kollegiengebäude IV/ HS 4429 |
| Veranstaltungsnummer | 06LE11Ü-202612 |
| Kommentar |
Die Übung untersucht, wie sich die materielle Kultur des späten Mittelalters (ca. 1300–1520) in den Austausch und Transformationsprozessen der beginnenden Renaissance manifestiert. Im Zentrum steht das weltumspannende Handels-, Informations- und Wissensnetzwerk, in dem Nürnberg einen wichtigen Knotenpunkt darstellte. Daher konzentriert sich die Übung an den Exponaten, Objekt Reproduktionen und Narrativen der Sonderausstellung „Nürnberg global“. Die Teilnehmenden analysieren Artefakte, wie materielle und Schriftzeugnisse sowie bildliche Darstellungen, um die „globalen“ Dimensionen spätmittelalterlicher Kultur, Wissens- und Wirtschaftsgeschichte zu rekonstruieren. An ausgewählten Artefakten werden wir deren Transfers, Vermittlungswege und Rezeptionsformen rekonstruieren. Im Fokus stehen Luxus- wie Alltagsobjekte, aber auch materielle Zeugnisse der Briefkommunikation und Familien- und Zeitgeschichtsschreibung oder Artefakte des Wissens wie Dürers Nashorn, Portolankarten oder der älteste erhaltene Weltglobus von 1492. Außerdem werden zeitgleiche Artefakte aus dem mongolischen und dem osmanischen Reich, von der iberischen Halbinsel oder der westlichen Afrika-Küste in den Blick genommen. Mit den Geschichten dieser Artefakte entwerfen wir eine neue Erzählung über die spätmittelalterliche Kultur, die in einem ganz anderen Licht als in Johan Huizingas einflussreichem Entwurf vom „Herbst des Mittelalters“ steht. Am Ende der Übung kann ein Blog entstehen, in dem anhand der aus dem Spätmittelalter überlieferten kulturellem Artefakte Fragen nach der Verflechtung und Zirkulation von Wissen auf neuartige Weise diskutiert werden. |
| Zu erbringende Studienleistung |
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| Literatur |
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Ausdrucksstark. Hands-on-Workshop für wissenschaftliches Schreiben
| Dozierende | Maria-Elena Kammerlander und Anna Sadchit Mashi |
| Datum/ Uhrzeit |
Block: 09.03.2026 - 12.03.2026 8 - 18 Uhr c.t. |
| Ort/Raum | Kollegiengebäude IV/Übungsraum 2 |
| Veranstaltungsnummer | 06LE11Ü-20252617 |
| Kommentar |
Fällt es Ihnen schwer, Wissen, Gedanken und Ideen zu Papier zu bringen? Das Schreiben ist eine der grundlegenden Kompetenzen von Geisteswissenschaftler:innen. Wir präsentieren unsere Argumente in unterschiedlichen Textformaten, die jeweils auf eine bestimmte Art und Weise strukturiert sind. Wissenschaftliches Schreiben ist ein anspruchsvoller Prozess, der individuell gestaltet wird, aber als Handwerk auch erlernbar ist. In diesem Hands-on-Workshop öffnen wir allen Studierenden ab dem 3. Semester einen strukturierten Lernraum. Gemeinsam werden wir den Schreibprozess mit seinen vielfältigen Herausforderungen besser kennenlernen – niedrigschwellig, praxisorientiert und auf individuelle Bedürfnisse eingehend. Schärfen Sie Ihr Bewusstsein für Ihre Schreibkompetenzen, indem Sie sich die jeweiligen Anforderungen unterschiedlicher Textformate bewusst machen und im Austausch mit erfahrenen Autor:innen ausdrucksstarke Texte verfassen lernen. Dabei werden wir uns auch den heiß diskutierten Themen rund um die Nutzungsmöglichkeiten generativer KI beim wissenschaftlichen Schreiben widmen. So können Sie in den kommenden Semestern Ihre Schreibkompetenzen eigenständig erweitern und Ihren Umgang mit den Herausforderungen beim Formulieren attraktiver Texte stärken. Dafür heißt es im Workshop vor allem: Ran an die Tastaturen! Weitere Fragen? Schreiben Sie uns: ausdrucksstark@geschichte.uni-freiburg.de |
| Zu erbringende Studienleistung |
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Kolloquien
Oberseminar: Neue Forschungen zur Mittelalterlichen Geschichte
| Dozierende | Prof. Dr. Birgit Studt |
| Datum | Fr., 26. Juni 2026 |
| Uhrzeit | 9:00 - 18:00 Uhr |
| Ort/Raum | Kollegiengebäude IV / Übungsraum 2 |
| Veranstaltungsnummer | 06LE11OS-20262 |
| Programm |
folgt |
| Allgemeiner Kommentar |
In der Veranstaltung werden laufende und kürzlich abgeschlossene Forschungsvorhaben vorgestellt sowie neuere methodische Ansätze, aktuelle Kontroversen oder zentrale Neuerscheinungen zur historischen Mediävistik diskutiert. Es richtet sich an Doktorand_innen sowie fortgeschrittene Studierende und Prüfungskandidaten/innen der Mediävistik. Das Seminar findet als Kompaktveranstaltung statt. |
Proseminar
Wissenszentrum Kloster. Leben, Lernen und Wissen in Klöstern des Heiligen Römischen Reichs (1100–1500)
| Dozierende | Isabel Dillenberger |
| Uhrzeit | Di 09.00 - 12:00 Uhr; 21.04.26 – 21.07.26 |
| Ort/Raum | Kollegiengebäude I/HS 1142 |
| Veranstaltungsnummer | 06LE11S-20264 |
| Kommentar |
Klöster waren im Mittelalter hochgradig organisierte Gemeinschaften, in denen Menschen über Jahrhunderte hinweg gemeinsam gelebt, Wissen geschaffen und politisch gewirkt haben. Mit der Intention, die Welt unter christlichen Maximen zu verstehen und an das eigene Leben rückbinden zu können, entstanden eigene, an den geistlichen Stand gebundene und geschlechtsspezifische Wissensräume. In diesen Wissensräumen formierten die Konvente über Jahrhunderte hinweg ihr Selbstverständnis und gleichzeitig ein Verständnis ihrer äußeren Lebenswelt, indem sie versuchten, sich die Welt zu erschließen und zu ordnen. Allerdings sind diese Wissenskulturen nur eine Perspektive, die aus den geistlichen Gemeinschaften heraus formuliert und auf mittelalterliche Gesellschaften angewendet wurden. Wie etwa blickten Frauen und Männer in Konventen auf Themen wie Familie und Freundschaft, Herrschaft und Erkenntnis? Der heilige Hieronymus im Skriptorium: Master von Parral, Spanien um 1480. Muzeo Lázaro Galdiano, Madrid. Im Seminar erkunden wir diese Räume des Wissens, ausgehend von ihrem Verständnis als Orte des Zusammenlebens. Gleichzeitig untersuchen wir, was notwendig war, um diese Orte des gemeinschaftlichen Wissens und des geregelten Zusammenlebens in einer kriegerischen Gesellschaft politisch zu institutionalisieren und zu behaupten. Wie blickte man über die Jahrhunderte hinweg aus Klöstern auf die mittelalterliche Welt und wie blickte man in die eigene Gemeinschaft? Hinweis: Lateinkenntnisse sind von Vorteil, Übersetzungen werden aber bereitgestellt. |
| Zu erbringende Prüfungsleistung |
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| Zu erbringende Studienleistung |
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| Literatur |
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