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Tagung: Geschichtsschreibung zwischen Stadt und Land.

Tagung: Geschichtsschreibung zwischen Stadt und Land. Hybride Narrative in Mitteleuropa vom 15. bis zum 17.Jahrhundert
Wann 25.09.2024 um 09:00 bis
27.09.2025 um 18:00
Wo Litoměřice (Leitmeritz) (Tschechische Republik)
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Geschichtsschreibung zwischen Stadt und Land. Hybride Narrative in Mitteleuropa vom 15. bis zum 17. Jahrhundert

Wissenschaftliche Leitung

Joachim Schneider (Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde Dresden)
Birgit Studt (Universität Freiburg)
Jan Zdichynec (Karls-Universität Prag)

Ort

Litoměřice (Leitmeritz) (Tschechische Republik)

Datum

25. bis 27. September 2024
(Anreise 24. September 2024)

Die Tagung greift aktuelle Forschungsfragen zur Hybridität chronikalischer Texte auf:
Wie eigenständig sind die Narrative städtischer Geschichtsschreibung?
Wie verbinden sich Stadt- und Landesgeschichte in Gründungs- und Herkunftsgeschichten und wie gestaltet sich die Wahrnehmung des Miteinanders von Stadt und Land?
Wurden Darstellungsmuster von Landesbeschreibungen aufgegriffen und adaptiert?

 

Geschichtsschreibung zwischen Stadt und Land. Hybride Narrative in Mitteleuropa vom 15. bis zum 17. Jahrhundert

Was ist eine Stadtchronik, was kann man von ihr erwarten? Die Tagung greift aktuelle Forschungsfragen zur Hybridität chronikalischer Texte auf: Wie eigenständig sind die Narrative städtischer Geschichtsschreibung bzw. wie betten sie sich in überstädtische, in regionale Narrative ein? Wie verbinden sich Stadt- und Landesgeschichte in Gründungs- und Herkunftsgeschichten, und wie gestaltet sich die Wahrnehmung des Miteinanders von Stadt und Land in den Aufzeichnungen der zeitgenössischen Chronisten? Lässt sich anhand der Überlieferung städtischer Chronistik verfolgen, wie Darstellungsmuster der Landeschronistik bzw. Landesbeschreibung aufgegriffen und an die städtischen Verhältnisse adaptiert wurden? Und welche Rolle spielen humanistisch gelehrte Autoren bei der Verarbeitung älterer Narrative und die Erwartungen ihrer gebildeten Rezipienten?

In der älteren Forschung hat man in den chronikalischen Texten vielfach nach Ausdrucksformen eines spezifischen einzelstädtischen, bürgerlich-kommunalen Bewusstseins gesucht. Der im Jahr 2000 erschienene, von Peter Johanek herausgegebene Sammelband hat dann allerdings bereits manch alte Gewissheiten in Frage gestellt. Hingewiesen wurde dabei auch auf die selektive Wirkung der deutschen Städtechroniken-Edition, die seit langem zur Nutzung der immer gleichen, eingeführten Texte aus den großen und dabei vor allem aus den Reichsstädten geführt und damit den Blick auf die Vielfalt der überlieferten Texte verstellt hat.

Seitdem sind vor dem Horizont der neueren Kulturgeschichte auch weitere Fragestellungen bei der Erforschung der mittelalterlichen Historiographie entwickelt worden: der Blick richtete sich auf die Entstehung und die Wirkung von Narrativen, aber auch auf die Fluidität und Hybridität chronikalischer Erzählungen. Damit erweiterte sich die Untersuchungsperspektive auf die Funktion von zeittypischen Ordnungsmustern von historischem Wissen, die „Gemachtheit" der Chronistik und die damit verbundenen Wahrnehmungs- und Darstellungsmuster. Zunehmend schien fraglich geworden, was Stadtchronistik denn eigentlich ausmacht: Handelt es sich bei einer Chronik, die in einer Stadt entstanden ist, eo ipso um Stadtchronistik, die eine städtische Identität widerspiegelt? Welche Rolle spielen der nachweisbare Entstehungs- und/oder der Rezeptionsraum dieser Chronistik und das soziale Milieu ihrer Verfasser und Benutzer? Oder ist der jeweilige inhaltliche Zuschnitt des Berichteten entscheidend für eine Stadtchronistik – wie lässt sich dieses „Thema Stadt" (Carla Meyer) bestimmen? Ein Sammelband von 2019 (herausgegeben von Pia Eckhart und Marco Tomaszewski) hat vorgeschlagen, zwischen unterschiedlichen Bezugsebenen, das heißt einer eher rechtlich-kommunal und einer eher kulturell-urban charakterisierten Geschichtsschreibung zu unterscheiden, die auch in adligen oder kirchlichen Milieus wurzeln kann.

An dieser Stelle setzt die geplante Tagung an. Denn ein von der Forschung bisher oft vernachlässigter Gesichtspunkt ist, dass Städte weder Monaden noch allein Teil eines zwischenstädtischen Netzwerks waren, sondern dass sie vor allem in einer Region eingebettet, dass sie im Zeitalter der Vormoderne von in der Regel landesherrlich dominierten Territorien umgeben oder Teil derselben waren. Ein von Lenka Bobková und Jan Zdichynec herausgegebener Band von 2011 hat bereits die Aufmerksamkeit auf diese Frage gelenkt und unter anderem nach dem Miteinander von städtischer und regionaler Identität in der Chronistik der Länder der Böhmischen Krone gefragt.

Die Tagung stellt zunächst regionenübergreifend Texte aus den Ländern der Böhmischen Krone und dem benachbarten Mitteldeutschland in den Mittelpunkt, bezieht aber auch Chronistik aus weiter entfernten Teilen des Heiligen Römischen Reiches mit ein, um vergleichende Perspektiven zu ermöglichen. Der Untersuchungszeitraum beginnt mit dem 15. Jahrhundert, das durch eine erste starke Zunahme der Schriftlichkeit und Intensivierung der Überlieferung gekennzeichnet war, und endet vor dem Dreißigjährigen Krieg. Damit wird ein Zeitraum behandelt, in dem zum einen neue soziale Gruppen zum Lesen und Schreiben gelangten und zum anderen der Humanismus mit seinem besonderen Interesse für eine nationale Landesgeschichtsschreibung seine größte Wirksamkeit entfaltet hat.

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